bricklebrit wurde 2012 – also vor 14 Jahren – von Kirstin als Initiative der finanziellen Bildung gegründet. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Kinder in vielen Familien bis heute nicht selbstverständlich lernen, wie man mit Geld umgeht. Häufig haben Eltern den offenen Umgang mit Geld selbst nie vorgelebt bekommen oder sprechen weder regelmäßig noch offen darüber.
Hinzu kommt, dass Geldentscheidungen in vielen Familien weiterhin in der Hand von Erwachsenen liegen – ohne Einordnung oder Transparenz für Kinder. Gleichzeitig wird der Umgang mit Geld zunehmend virtuell, wodurch Kinder den Bezug zu Geld noch weniger wahrnehmen. Sichtbarkeit und Verstehen fehlen, genau dort setzt bricklebrit an.
bricklebrit fördert und sensibilisiert für die Bedeutung von Geldgesprächen und einen bewussten Umgang mit Geld – in der Familie, im Alltag, aber auch in der pädagogischen und sozialen Arbeit.
So können Kinder früh Finanzkompetenzen entwickeln – durch Kommunikation, das Sichtbarmachen finanzieller Alltagsentscheidungen und durch praktische Erlebnisse mit eigenen Mitteln.
Kinder lernen, Geld zu beobachten, mitzudenken, mitzuhandeln und irgendwann auch eigene Entscheidungen zu treffen – altersgerecht, alltagsbezogen, kreativ und motivierend.
So wird der Umgang mit Geld nicht nur besprochen, sondern aktiv in den Alltag integriert. Das stärkt Eigenständigkeit und Reflexionsfähigkeit – zentrale Grundlagen, um langfristig bewusst und verantwortungsvoll mit Geld umgehen zu können.
Aus der Arbeit von bricklebrit mit Eltern, Kindern und Familien im Bereich finanzieller Bildung wurde früh deutlich: Nachhaltige Veränderung entsteht nicht allein durch Wissen. Entscheidend ist, wie dieses Wissen im Alltag umgesetzt werden kann. Dabei spielt die Selbstregulation eine zentrale Rolle.
Selbstregulation ist eine kognitive Fähigkeit, die unsichtbar in unseren Köpfen durch das Zusammenspiel vieler Funktionen wirkt. Sie ermöglicht es, nicht nur impulsiv oder automatisiert im Moment zu handeln, sondern mit Blick auf Ziele und Zukunft bewusst zu steuern, wie wir fühlen, denken und handeln.
So trägt Selbstregulation dazu bei, das eigene Wohl zu sichern und gleichzeitig handlungsfähig im sozialen Zusammenspiel zu bleiben. Gerade in einer von Konsum und Ablenkung geprägten Umwelt, in der Kinder, Jugendliche und Erwachsene permanent Impulsen ausgesetzt sind, wird diese Fähigkeit entscheidend, um Eigenständigkeit und Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln.
Bei bricklebrit arbeiten wir aktiv mit dem Wissen über die Bedeutung und die Funktionsweisen der Selbstregulation. Das geschieht durch praxisnahe Aktivitäten wie Geldgespräche, Taschengeld, Konsumentscheidungen und die Auseinandersetzung mit den Handlungserfordernissen des familiären Alltags – also mit dem täglichen Haushalten und Wirtschaften.
Dazu gehört auch die Frage: „Wie viel kostet das Leben?“ – also alles, was Kinder bereits heute und mit Blick auf ihre Zukunft kennenlernen, verstehen und mitnehmen können, um schrittweise die Finanzkompetenz aufzubauen, die sie später benötigen.
Gleichzeitig ist es entscheidend, dass Kinder und Jugendliche verstehen, was Selbstregulation ist, wie sie funktioniert und wie sie gefördert oder behindert werden kann – oft unsichtbar, aber in jedem Handeln wirksam. Dieses Wissen ist ebenso für Erwachsene wichtig, die Kinder begleiten, um ihnen Orientierung, Sicherheit und ein realistisches Verständnis von Umsetzung zu vermitteln.
Selbstregulation ermöglicht es jedem Menschen, zu handeln und das, was er tun will oder tun sollte, auch wirklich umzusetzen. Gelingt dies, entwickeln Menschen Selbstwirksamkeit – im Gegensatz dazu kann es frustrierend und belastend sein, wenn Vorsätze und Wünsche im Handeln unerfüllt bleiben.
Das menschliche Tun ist daher entscheidend für das psychologische Wohlbefinden – nicht nur für das Erreichen eigener Ziele, sondern auch für das langfristige persönliche Wohl. Ist Selbstregulation beeinträchtigt, sei es temporär oder chronisch, wirkt sich das unmittelbar auf Produktivität, Zielerreichung und das Gefühl aus, handlungsfähig und selbstbestimmt zu sein.
Die unsichtbaren kognitiven Funktionen, die hinter menschlicher Selbstkontrolle stehen, sind vielen Menschen nicht bekannt – selten wird dies vermittelt. Hindernisse liegen oft in den eigenen Prozessen, doch durch gezieltes Verständnis dieser Funktionsweisen lässt sich wirksames Handeln ermöglichen. Daher ist es wichtig, Selbstregulation auch in die finanzielle Bildung einzubeziehen, damit Menschen nicht nur wissen, sondern auch machen.
Mit ihrer eigenen ADHS-Diagnose begann Kirstin vor einigen Jahren, das Portfolio von bricklebrit um die Arbeit mit Menschen mit ADHS zu erweitern. Schnell wurde klar: Viele Herausforderungen im Umgang mit Geld lassen sich durch die beeinträchtigte Selbstregulation bei ADHS erklären – sowohl auf der Einnahme- als auch auf der Ausgabenseite.
Obwohl diese Zusammenhänge international gut erforscht und thematisiert sind, fehlte bisher fast vollständig ein Angebot in Deutschland. Deshalb war es wichtig, bei bricklebrit einen ersten Schritt zu machen: Sensibilisierung für die Thematik, Entwicklung wirksamer Konzepte, Ausprobieren, Anpassen und kontinuierliches Lernen. Welche Strategien funktionieren? Welche Hürden gibt es? Welche Anpassungen sind nötig?
Mit dem Verständnis von Selbstregulation und ihrer Beeinträchtigung durch ADHS lassen sich die Herausforderungen so einordnen, dass Menschen ihre Handlungskompetenz, Produktivität und Selbstwirksamkeit schrittweise verbessern können – nicht sofort, aber präventiv, lösungsorientiert und nachhaltig, selbst wenn bereits größere Probleme bestehen.
Dieser Ansatz ist nicht nur für Menschen mit ADHS relevant: Das Wissen um Selbstregulation und deren Förderung ist für alle in der finanziellen Bildung und beim täglichen Umgang mit Geld von großer Bedeutung. Bei bricklebrit wird dieses Wissen daher als zentraler Bestandteil vermittelt – damit Menschen lernen, wirksam zu handeln, Eigenständigkeit zu entwickeln und ihre Ziele umzusetzen.
Erwachsene mit ADHS erleben häufig chronische Herausforderungen in der Selbstregulation, die sich besonders auf den Umgang mit Geld auswirken. Die Theorie der Selbstregulation erklärt, warum bestimmte Strategien funktionieren oder scheitern, und liefert die Grundlage, um Muster zu erkennen und individuell Lösungen umzusetzen.
Durch die Kombination der Erkenntnisse aus der Finanzbildung und der Arbeit mit Menschen mit ADHS wird deutlich: Selbstregulation ist die zentrale Schlüsselfunktion. Sie erklärt Verhalten, das sonst falsch gedeutet wird, und eröffnet Wege für Konzepte in der finanziellen Bildung – für Kinder, Familien und Erwachsene –, die wirksam, reflektiert und nachhaltig sind.
